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Wie viel Prozent der Kunden lesen Bewertungen? (2026)

Veröffentlicht am · 6 Min. Lesezeit · Hajo Rappe

Kurze Antwort: Je nach Studie und Fragestellung lesen zwischen 55 und 97 Prozent der Menschen Bewertungen, bevor sie sich für ein Restaurant, eine Praxis oder einen Handwerksbetrieb entscheiden. Die Spannbreite hat einen einfachen Grund – die Studien fragen unterschiedliche Dinge ab, und seit 2026 kommt ein neuer Faktor dazu: Ein wachsender Teil der Kundschaft sucht gar nicht mehr bei Google, sondern fragt ChatGPT. In diesem Artikel bekommst du die konkreten Zahlen, ihre Primärquellen – und was das für dein Geschäft heute bedeutet.

Kurz beantwortet: Laut der BrightLocal Local Consumer Review Survey 2026 nutzen 97 Prozent der Verbraucher:innen Bewertungen zur Orientierung vor dem Kauf, 41 Prozent lesen sie sogar „immer“, wenn sie ein Unternehmen suchen. In Deutschland sagen laut Bitkom (Januar 2020) 56 Prozent der Online-Käufer:innen, dass Bewertungen eine wichtige Kaufentscheidungshilfe sind.

Wie viele Kunden lesen tatsächlich Bewertungen, bevor sie kaufen?

Die höchste Zahl kommt aus der aktuellsten Quelle: In der BrightLocal Local Consumer Review Survey 2026, einer Befragung von 1.002 Verbraucher:innen in den USA, geben 97 Prozent an, dass sie sich grundsätzlich an Bewertungen orientieren. 41 Prozent lesen sie „immer“, wenn sie nach einem Unternehmen suchen – ein deutlicher Sprung gegenüber 29 Prozent im Vorjahr.

Für Deutschland liefert der Digitalverband Bitkom die belastbarsten Zahlen, auch wenn sie etwas älter sind. In einer repräsentativen Umfrage unter 1.024 Online-Käufer:innen ab 16 Jahren (Januar 2020) sagten 56 Prozent, dass Kundenbewertungen eine wichtige Entscheidungshilfe beim Kauf sind. Eine weitere Bitkom-Erhebung aus Oktober/November 2020 kam auf 55 Prozent, die Bewertungen als wichtigste Informationsquelle vor dem Kauf nennen.

StudieLand / StichprobeKennzahlWert
Bitkom, Januar 2020Deutschland, 1.024 Online-Käufer:innen ab 16 JahrenBewertungen als wichtige Kaufentscheidungshilfe56 %
Bitkom, Nov. 2020Deutschland, repräsentative UmfrageBewertungen als wichtigste Informationsquelle55 %
BrightLocal LCRS 2026USA, 1.002 Verbraucher:innenNutzen Bewertungen generell zur Orientierung97 %
BrightLocal LCRS 2026USA, 1.002 Verbraucher:innenLesen Bewertungen „immer“ bei der Suche41 %

Wichtig für die Einordnung: Die Bitkom-Zahlen sind deutsch und speziell auf Online-Shopping bezogen, aber einige Jahre alt. Die BrightLocal-Zahlen sind aktuell und stammen aus den USA, beziehen sich dafür aber gezielt auf die Suche nach lokalen Unternehmen – also genau die Situation, in der jemand „Zahnarzt Mettmann“ oder „Elektriker in der Nähe“ eintippt. Beide Richtungen zeigen dasselbe Bild: Bewertungen lesen ist für die große Mehrheit der Kunden Standard, kein Sonderfall.

Suchen Kunden noch bei Google – oder schon beim Chatbot?

Beides, aber die Gewichte verschieben sich spürbar. Google bleibt 2026 mit 71 Prozent die mit Abstand wichtigste Quelle für Empfehlungen zu lokalen Betrieben – ist damit aber von 83 Prozent im Vorjahr gefallen, während KI-Tools wie ChatGPT innerhalb eines Jahres von 6 auf 45 Prozent gesprungen sind und jetzt die drittwichtigste Quelle überhaupt sind, noch vor Yelp und Tripadvisor.

Wie Kunden lokale Betriebe entdecken: Google im Rückgang, KI-Tools im Aufwind Google als Empfehlungsquelle 2025 83 % 2026 71 % KI-Tools (ChatGPT & Co.) als Empfehlungsquelle 2025 6 % 2026 45 % Quelle: BrightLocal Local Consumer Review Survey 2026, Abruf 02.09.2026
Google verliert Anteile, KI-Tools wie ChatGPT gewinnen sie dazu – deine Bewertungen zählen in beiden Kanälen.

Für dein Geschäft heißt das nicht, dass Google unwichtig wird – im Gegenteil, es bleibt der mit Abstand größte Kanal. Aber die KI-Tools speisen sich aus denselben Quellen: Wenn ein Chatbot einen Betrieb empfiehlt, stützt er sich auf genau die Bewertungen, Sterne und Texte, die auch bei Google stehen. Wer schwache oder wenige Bewertungen hat, wird seltener empfohlen – egal ob ein Mensch sucht oder eine KI zusammenfasst.

Was heißt das konkret für dein lokales Geschäft?

Bevor überhaupt jemand anruft, eine Reservierung macht oder einen Termin bucht, hat er oder sie schon deine Sterne gesehen – und oft auch ein bis zwei Bewertungstexte gelesen. Google bleibt dabei der Ort, an dem sich die Kaufentscheidung anbahnt, lange bevor sie bei dir im Laden oder am Telefon landet.

Vom Suchen zum Kaufentscheid: wo Bewertungen wirken Kunde sucht lokal ein Angebot z. B. „Zahnarzt Mettmann“ Sieht Sterne in der Ergebnisliste Erster Eindruck Liest Bewertungen 41 % tun das „immer“ Entscheidet 97 % nutzen Bewertungen Quelle: BrightLocal Local Consumer Review Survey 2026, Abruf 02.09.2026
Vier Schritte, an deren Ende die Bewertung über den ersten Eindruck entscheidet.

Ab wie vielen Sternen sind Kunden überhaupt bereit, dich zu buchen?

Kunden lesen Bewertungen nicht nur – sie setzen inzwischen auch eine Mindestschwelle voraus. Laut BrightLocal 2026 kaufen 68 Prozent der Verbraucher:innen nur noch bei Unternehmen mit 4,0 Sternen oder mehr, ein deutlicher Anstieg gegenüber 55 Prozent im Vorjahr. 31 Prozent verlangen sogar 4,5 Sterne oder mehr – fast doppelt so viele wie ein Jahr zuvor (17 Prozent).

Ab wie vielen Sternen Kunden noch buchen 68 % kaufen nur bei 4,0 Sternen oder mehr 31 % kaufen nur bei 4,5 Sternen oder mehr Quelle: BrightLocal Local Consumer Review Survey 2026, Abruf 02.09.2026
Schematische Darstellung der Sternebewertung – die Mindestschwelle, ab der Kunden überhaupt buchen.
Mindest-SternebewertungAnteil der Verbraucher:innen (2026)Vorjahr (2025)
4,0 Sterne oder mehr68 %55 %
4,5 Sterne oder mehr31 %17 %

Für ein Studio, eine Eventlocation oder einen Handwerksbetrieb bedeutet das: Ein Schnitt von 3,8 Sternen ist heute keine Randnotiz mehr, sondern kostet dich einen Teil der Anfragen, bevor du überhaupt die Chance hattest, mit jemandem zu sprechen.

Unterscheidet sich das Leseverhalten nach Alter und Geschlecht?

Ja, aber weniger stark, als viele annehmen. Nach der Bitkom-Erhebung von Januar 2020 lesen 66 Prozent der 16- bis 29-Jährigen und 61 Prozent der 30- bis 49-Jährigen Bewertungen vor dem Kauf. Auch nach Geschlecht gibt es einen Unterschied: 62 Prozent der Frauen verlassen sich auf Bewertungen, bei den Männern sind es 50 Prozent.

GruppeLiest Bewertungen vor dem Kauf
16–29 Jahre66 %
30–49 Jahre61 %
Frauen (alle Altersgruppen)62 %
Männer (alle Altersgruppen)50 %

Die Unterschiede sind also da, aber klein. Selbst in der „schwächsten“ Gruppe liest jeder Zweite Bewertungen. Für eine Arztpraxis oder einen Handwerksbetrieb, deren Kundschaft meist über alle Altersgruppen streut, heißt das: Es gibt keine Zielgruppe, bei der sich die Arbeit an Bewertungen nicht lohnt.

Ein Beispiel aus der Praxis

Stell dir ein kleines Restaurant vor: Freitagabend, der Gast war zufrieden, zahlt und geht. Ohne Nachfrage bleibt dieser gute Eindruck meistens genau da – im Kopf des Gastes, nirgendwo sonst. Fragt der Betrieb dagegen direkt nach dem Besuch kurz nach, wie es war, und bietet gleich einen einfachen Weg zur Bewertung an, wird aus einem zufriedenen Gast in wenigen Minuten eine sichtbare Bewertung.

Freitag, 21:47 Uhr
Hallo! Schön, dass du heute bei uns warst 🙂 Magst du uns kurz sagen, wie es war?
War richtig gut, das Risotto war klasse!
Freut uns sehr! Magst du das kurz als Google-Bewertung dalassen? Dauert eine Minute, hier der Link.
Mach ich, kein Problem.

Wie aktuell müssen Bewertungen sein, um zu wirken?

Sehr aktuell. Laut BrightLocal 2026 achten 74 Prozent der Verbraucher:innen darauf, dass Bewertungen aus den letzten drei Monaten stammen, 32 Prozent wollen sogar Bewertungen aus den letzten zwei Wochen sehen – ein deutlicher Sprung gegenüber 20 Prozent im Vorjahr. Zehn gute Bewertungen aus dem letzten Jahr wirken also spürbar schwächer als drei frische aus den letzten Wochen.

Das ist auch der Grund, warum die Recherche über KI-Tools die Anforderungen eher verschärft als entschärft: Ein Chatbot, der eine aktuelle Empfehlung geben soll, stützt sich ebenfalls auf das, was gerade an Bewertungen vorliegt – veraltete oder wenige Bewertungen liefern ihm schlicht weniger, worauf er sich stützen kann.

Was kannst du als Betrieb konkret tun?

Drei Dinge machen den größten Unterschied: erstens nach jedem Termin oder Besuch aktiv, aber unaufdringlich um eine Bewertung bitten, statt darauf zu hoffen, dass sie von allein kommt. Zweitens auf bestehende Bewertungen reagieren – positive wie kritische –, denn auch das lesen Interessent:innen und KI-Tools mit. Drittens den eigenen Stand ehrlich kennen: Wie viele Sterne hast du aktuell, wie aktuell sind deine Bewertungen, und wie stehst du im Vergleich zu Mitbewerbern in deiner Umgebung da? Mit einer kostenlosen Bewertungsanalyse siehst du das in wenigen Minuten schwarz auf weiß, statt zu raten.

Häufige Fragen

Wie viel Prozent der Kunden lesen vor dem Kauf Online-Bewertungen?

Je nach Studie und Fragestellung zwischen 55 und 97 Prozent. Die Bitkom-Umfragen aus Deutschland (2020) kommen auf 55 bis 56 Prozent, wenn nach der wichtigsten Kaufentscheidungshilfe gefragt wird. Die BrightLocal Local Consumer Review Survey 2026 kommt auf 97 Prozent, wenn nach genereller Nutzung von Bewertungen zur Orientierung gefragt wird.

Suchen Kunden heute noch über Google oder schon über KI-Chatbots wie ChatGPT?

Vor allem noch über Google (71 Prozent), aber KI-Tools holen stark auf: Ihr Anteil an Empfehlungen zu lokalen Betrieben ist laut BrightLocal 2026 von 6 auf 45 Prozent gestiegen und liegt damit inzwischen vor Yelp und Tripadvisor.

Ab wie vielen Sternen kaufen Kunden noch bei einem Betrieb?

2026 kaufen laut BrightLocal 68 Prozent der Verbraucher:innen nur noch bei Unternehmen mit 4,0 Sternen oder mehr, 31 Prozent verlangen sogar 4,5 Sterne oder mehr. Beide Werte sind gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen.

Wie aktuell müssen meine Bewertungen sein?

74 Prozent der Verbraucher:innen erwarten laut BrightLocal 2026 Bewertungen aus den letzten drei Monaten, 32 Prozent aus den letzten zwei Wochen. Ältere Bewertungen zählen für Kunden deutlich weniger.

Gilt das auch für kleine, lokale Betriebe wie eine Arztpraxis oder einen Handwerksbetrieb?

Ja, sogar besonders. Die BrightLocal-Zahlen beziehen sich gezielt auf die Suche nach lokalen Unternehmen, und Google bleibt mit 71 Prozent der wichtigste Kanal dafür – also genau dort, wo lokale Betriebe gefunden werden.

Über den Autor

Hajo Rappe. Hajo Rappe ist Gründer von Rappe Digital Solutions und baut die Your-Solutions-Produkte selbst. Parallel führt er seit Jahren eigene Betriebe im Event- und Dienstleistungsgeschäft — er weiß, wie es sich anfühlt, wenn eine unfaire Bewertung ganz oben steht.

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